20 Exercise Prüfungsvorbereitung mit Überblick
Lesen Sie beide Artikel. Wählen Sie anschließend bei den Aufgaben 6–10 jeweils die Antwort a, b oder c, die dem Text entspricht.
Was eine Generalprobe leisten kann
Der erste vollständige Probedurchlauf endet für eine Kursteilnehmerin mit einer Überraschung: Viele Aufgaben konnte sie lösen, doch für den letzten Abschnitt blieb kaum Zeit. Zuvor hatte sie einzelne Übungen meist ohne Zeitbegrenzung bearbeitet. Ihr Wissen war dadurch nicht wertlos. Die Generalprobe machte jedoch eine Anforderung sichtbar, die bei den bisherigen Übungen kaum eine Rolle gespielt hatte: Nicht nur richtige Antworten, sondern auch die Verteilung der verfügbaren Zeit gehören zur Bearbeitung einer Prüfung.
Ein Probedurchlauf unterscheidet sich deshalb von einer gewöhnlichen Lernphase. Während beim Lernen unbekannte Wörter nachgeschlagen und Lösungswege ausführlich besprochen werden können, sollen bei der Probe möglichst vergleichbare Bedingungen gelten. Dazu gehört auch, vorgesehene Hilfsmittel und Pausen zu berücksichtigen. Wer zwischendurch Nachrichten liest oder eine Aufgabe später fortsetzt, erhält möglicherweise weiterhin interessante Ergebnisse. Wie die gesamte Bearbeitung unter Prüfungsbedingungen gelingt, lässt sich daraus aber nur eingeschränkt erkennen.
Ebenso wichtig ist die Auswahl des Materials. Wurden die Aufgaben bereits mehrfach bearbeitet, kann ein gutes Ergebnis teilweise darauf beruhen, dass Antworten oder Textstellen wiedererkannt werden. Das macht bekannte Übungen nicht ungeeignet zum Lernen. Für eine Einschätzung des aktuellen Leistungsstands sind jedoch möglichst unbekannte Aufgaben hilfreicher. Andernfalls bleibt unklar, wie viel vom Ergebnis auf selbstständiger Bearbeitung und wie viel auf Erinnerung beruht.
Eine vollständige Probe muss dabei nicht jede Lerneinheit ersetzen. Sie kann zeigen, wo anschließend gezielt weitergearbeitet werden sollte. Vielleicht fehlt eine Bearbeitungsstrategie, vielleicht kostet eine bestimmte Aufgabenform besonders viel Zeit. Um solche Schwierigkeiten gezielt zu bearbeiten, sind kürzere Übungsphasen oft besser geeignet als sofort die nächste komplette Prüfung. Die Generalprobe liefert somit eine Bestandsaufnahme. Ihren eigentlichen Nutzen entfaltet sie erst, wenn aus den Beobachtungen konkrete Entscheidungen für die weitere Vorbereitung entstehen und später geprüft wird, ob die gewählte Veränderung tatsächlich geholfen hat.
Hinter derselben Punktzahl können verschiedene Probleme stehen
Zwei Lernende erreichen in einem Übungstest dieselbe Punktzahl. Trotzdem brauchen sie möglicherweise unterschiedliche Unterstützung. Eine Person verliert vor allem bei langen Texten den Überblick, während die andere kurze Aufgaben zu schnell liest und Einschränkungen übersieht. Das Gesamtergebnis zeigt, wie viele Antworten richtig waren. Es erklärt noch nicht, weshalb Fehler entstanden sind. Wer nur die Summe betrachtet, könnte deshalb an Schwierigkeiten arbeiten, die im eigenen Fall kaum entscheidend sind.
Für eine genauere Auswertung lohnt sich zunächst die Rückkehr zu einzelnen Aufgaben. Dabei genügt es nicht immer, die richtige Lösung anzusehen. Interessanter ist die Frage, welche Information bei der eigenen Entscheidung verwendet wurde. Vielleicht passte ein bekanntes Wort zur gewählten Antwort, während ein Gegensatz im Text unbeachtet blieb. Oder eine grundsätzlich richtige Aussage beantwortete nicht die gestellte Frage. Erst durch diesen Vergleich wird der Unterschied zwischen einer plausiblen und einer belegten Antwort sichtbar.
Allerdings kann die Erklärung eines Fehlers nachträglich leichter erscheinen als die ursprüngliche Entscheidung. Sobald die richtige Lösung bekannt ist, wirkt sie häufig eindeutig. Deshalb ist es hilfreich, den eigenen Gedankengang möglichst vor dem Blick in den Schlüssel kurz festzuhalten. Auch Unsicherheit darf dabei sichtbar werden. Eine zufällig richtige Antwort liefert schließlich einen anderen Hinweis für die Vorbereitung als eine Antwort, deren Begründung sicher aus dem Text abgeleitet wurde.
Aus der Auswertung sollte anschließend eine überschaubare Aufgabe entstehen. Wer regelmäßig den Geltungsbereich von Wörtern wie „nur“ oder „einige“ übersieht, kann genau solche Unterschiede in neuen Texten prüfen. Wer dagegen unter Zeitdruck Fragen auslässt, braucht möglicherweise eine veränderte Reihenfolge oder klarere Zeitabschnitte. Ob die Maßnahme wirkt, zeigt sich an weiterem, möglichst unbekanntem Material. Dass dieselbe Aufgabe unmittelbar danach richtig gelöst wird, kann auch darauf beruhen, dass lediglich die Erklärung erinnert wurde. Ein sichererer Umgang mit vergleichbaren neuen Aufgaben spricht eher dafür, dass sich die Bearbeitung verändert hat. Die Fehleranalyse endet damit nicht bei der Korrektur, sondern verbindet das vergangene Ergebnis mit dem nächsten Lernschritt.
- Der erste Probedurchlauf zeigt der Kursteilnehmerin, dass
- Bereits bekannte Aufgaben
- Eine identische Gesamtpunktzahl
- Den eigenen Gedankengang sollte man möglichst festhalten,
- Eine veränderte Bearbeitungsweise erkennt man eher daran, dass
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